{"id":227,"date":"2007-11-12T21:40:58","date_gmt":"2007-11-12T20:40:58","guid":{"rendered":"http:\/\/alexander-florian.de\/?p=227"},"modified":"2007-11-12T21:40:58","modified_gmt":"2007-11-12T20:40:58","slug":"nachbessern-lassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/alexander-florian.de\/?p=227","title":{"rendered":"Nachbessern lassen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/alexander-florian.de\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/qsf-small.gif\" alt=\"qsf-small\" \/><\/p>\n<p>Die Korrekturphase zur ersten Partneraufgabe in der Veranstaltung \u201eEinf\u00fchrung in die qualitative Sozialforschung\u201c ist endlich abgeschlossen. Obwohl ich von <a href=\"http:\/\/imb.phil.uni-augsburg.de\/imb\/silvia-sippel\">Silvia<\/a> super unterst\u00fctzt wurde, habe ich es erst bis Samstagabend geschafft, die 11 Feedbacks (insgesamt rund 24 Seiten) fertigzustellen, weshalb meine Doktorarbeit die letzte Woche vorr\u00fcbergehend auf Eis lag. Da mir dabei aufgefallen ist, dass dieses Mal erstaunlich viele die Aufgabenstellung nicht vollst\u00e4ndig erfasst haben, war ich etwas irritiert und habe dar\u00fcber dann ausf\u00fchrlich mit <a href=\"http:\/\/medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de\/denkarium\/\">Gabi<\/a> und Silvia, aber auch, zum Teil unabh\u00e4ngig voneinander, mit <a href=\"http:\/\/digicampus.phil.uni-augsburg.de\/imb\/frederic-adler\">Frederic<\/a>, <a href=\"http:\/\/digicampus.phil.uni-augsburg.de\/imb\/sebastian-schipfel\">Sebastian<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.christian-zange.de\/\">Christian<\/a> diskutiert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich zun\u00e4chst auch mich selbst hinterfragt. Es h\u00e4tte eventuell sein k\u00f6nnen, dass ich dieses Mal in der ersten Einf\u00fchrungssitzung ein paar Hinweise vergessen habe, da ich es nun schon zum vierten Mal hintereinander erz\u00e4hlt habe und da vielleicht nicht mehr ganz so konzentriert war. Andererseits bin ich mir sicher, dass ich wichtige Aspekte zumindest erw\u00e4hnt habe (da ich die Veranstaltung noch \u00f6fters anbieten werde, kann ich hier nicht allzu viele Details verraten). Au\u00dferdem kann ich gar nicht so viel falsch erz\u00e4hlt haben, denn zum einen kenne ich das Seminar und die Aufgaben gut genug, zum anderen ist die Aufgabenstellung so eindeutig formuliert, dass ich da kaum irref\u00fchrende Informationen vermittelt haben kann.<\/p>\n<p>In der Diskussion mit meinen \u201eKollegen\u201c gab es auch kurz die \u00dcberlegung, optional eine Nachbesserung anzubieten. Ich muss gestehen, dass ich kein Freund des Nachbesserns bin, allerdings will ich das nicht prinzipiell ausschlie\u00dfen, da es mitunter p\u00e4dagogisch sinnvoll sein kann.<br \/>\nJedenfalls wurde ich in der aktuellen Situation in meiner Meinung best\u00e4rkt, keine Nachbesserungsm\u00f6glichkeit anzubieten. Ich will kurz meine Argumente (die spezifisch auf diese Situation abgestimmt sind) zusammenfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die M\u00f6glichkeit zur Nachbesserung soll ja vor allem p\u00e4dagogisch begr\u00fcndet sein, als Chance, den Lernerfolg zu erh\u00f6hen. Ich glaube aber, dass durch das Feedback bereits ein ausreichender Lerneffekt da ist, denn schon dadurch sollten die Teilnehmer wissen, was sie falsch gemacht haben und zuk\u00fcnftig besser machen w\u00fcrden. Insofern sehe ich darin, dieses neue Wissen (was ja schon ein Lernerfolg ist) auch noch zu praktizieren (wo es \u201enur\u201c darum ginge, Anweisungen auszuf\u00fchren) keine speziellen Mehrwert (vor allem im Verh\u00e4ltnis zu meinem h\u00f6heren Aufwand).<\/li>\n<li>Nach wie vor gilt f\u00fcr mich n\u00e4mlich, dass ich von Studenten im mindestens dritten Semester verlange, eine eindeutige (das wurde mir inzwischen mehrfach best\u00e4tigt) Aufgabenstellung richtig zu erfassen und im Zweifelsfall nachzufragen. Das hei\u00dft ebenfalls, dass ich nicht exakt vorher vorgebe, was zu tun ist \u2013 die Leistung ist ja gerade der Transfer, der eigenst\u00e4ndig zu leisten ist (s. u.).<\/li>\n<li>Besonders viel Gewicht hat f\u00fcr mich der Aspekt der \u201eChancen-Gerechtigkeit\u201c bzw. \u201eWettbewerbsverzerrung\u201c. So w\u00e4re es ungerecht in zweifacher Hinsicht: Einmal gegen\u00fcber Studenten vorheriger Semester (die nicht nachbessern konnten) und zum anderen gegen\u00fcber den aktuellen Teilnehmern, die gut waren. Denn wenn nun die schlechten Gruppen nachbessern k\u00f6nnen, wo w\u00e4re dann der \u201eLohn\u201c der guten Gruppen? Im Endeffekt m\u00fcsste sich keiner mehr anstrengen, da jeder sowieso die Note erreichen kann, die er haben will (notfalls mit Nachbessern). Insofern k\u00f6nnte Nachbessern zwar vordergr\u00fcndig die Anstrengungsbereitschaft f\u00f6rdern, indirekt aber die Leistungsbereitschaft untergraben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Trotzdem will ich den Studenten nat\u00fcrlich das Leben nicht unn\u00f6tig schwer machen. Ein guter Vorschlag von Frederic war, die aktuelle Leistung regul\u00e4r zu bewerten (wir reden hier ja nicht von Noten im 3er oder 4er Bereich, sondern davon, dass nun am Ende halt vermutlich keine 1 vor dem Komma steht), daf\u00fcr aber dann bei den zuk\u00fcnftigen Leistungen, wenn dort ein deutlicher Fortschritt erkennbar ist, etwas gro\u00dfz\u00fcgiger zu werten \u2013 also zuk\u00fcnftige Lernerfolge besser w\u00fcrdigen, gerade vor dem Hintergrund der Ausgangssituation.<\/p>\n<p>Heute habe ich \u00fcbrigens die Gelegenheit genutzt, einen Pr\u00e4senz-Termin anzusetzen und kurz versucht, mit den Seminar-Teilnehmern \u00fcber die erste Partneraufgabe zu diskutieren. Ich wollte damit erreichen, dass erg\u00e4nzend zum bereits erhaltenen, individuellen Feedback, die Seminar-Anforderungen klarer werden und au\u00dferdem herausfinden, ob die detaillierte R\u00fcckmeldung sowohl als hilfreich als auch als \u201efair\u201c empfunden wurde.<br \/>\nInteressant fand ich dabei einen Kommentar bzw. eine R\u00fcckfrage zur eher \u201eoffenen\u201c Aufgabenstellung. Deshalb will ich hier abschlie\u00dfend kurz deren Sinn erl\u00e4utern: Ziel ist es, die Kenntnisse in einem einigerma\u00dfen authentischen Szenario anzuwenden. Das bedeutet, dass es wie in der Realit\u00e4t eben keine klar umgrenzte Aufgabenstellung gibt, auf die auswendig gelerntes Wissen quasi \u201eautomatisch\u201c passt. Vielmehr geht es darum, ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Problemlage zu entwickeln. Und in meinen Augen ist die Aufgabe nicht so \u201eoffen\u201c, sie ist ja didaktisch vorstrukturiert und alle ben\u00f6tigten Informationen liegen vor \u2013 es muss also \u201enur\u201c noch das Wissen transferieren werden\u2026<\/p>\n<p>PS: Morgen startet die erste Befragung im Rahmen der Studie von Silvia (ich hatte schon <a href=\"http:\/\/alexander-florian.de?p=224\">hier <\/a>berichtet) \u2013 da bin ich echt mal gespannt auf die Ergebnisse \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Korrekturphase zur ersten Partneraufgabe in der Veranstaltung \u201eEinf\u00fchrung in die qualitative Sozialforschung\u201c ist endlich abgeschlossen. Obwohl ich von Silvia super unterst\u00fctzt wurde, habe ich es erst bis Samstagabend geschafft, die 11 Feedbacks (insgesamt rund 24 Seiten) fertigzustellen, weshalb meine Doktorarbeit die letzte Woche vorr\u00fcbergehend auf Eis lag. 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